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Was ist Verschmutzung an Anlagen und warum wir das reinigen sollen

Ein Dauerthema in TPM ist der Kampf gegen Verschmutzungen von Anlagen.
Dieser Kampf dreht sich um eine ganz einfache aber keineswegs triviale Sache.
Was ist überhaupt „Verschmutzung“ und warum sollen wir sie (be)reinigen?

Was ist eine Verschmutzung aus TPM-Sicht?

TPM interessiert sich eigentlich nur für Verschmutzungen, die Verluste verursachen.
Sprich den Lauf der betrachteten Anlage (in ihrer Präzision oder Geschwindigkeit) beeinträchtigen oder vermehrten Verschleiß verursachen.

Solche Verschmutzungen sind übel und schreien aus TPM-Sicht nach Lösung.
Ich nenne sie in diesem Blog „wiederkehrende Verschmutzung“ oder „Dreck“.

So definierter „Dreck“ ist ein Verlustbringer.
Er wird in der AI (autonome Instandhaltung) durch eine Anomalienkarte markiert.

Wie gesagt, solcher Dreck macht Probleme.
Er verursacht Verluste und ist damit sehr teuer.

Das setzt die TPM-Arbeit in Gang und das bedeutet immer:
Systematisch und ursächlich auf Null bringen.
Es geht also um einen sog. „Zero-Case“.

Bei TPM geht es immer um „Nullen“, z.B.

  • Null-Arbeitsunfälle
  • Null-Ausschuss bzw. Null Nicht-Qualität
  • Null-Störungen
  • usw.

Verluste sind das Maß für vermeidbaren Aufwand oder Kosten. Wir können hier sogar von echten „Unkosten“ sprechen.

Die Losung beim Kampf um obige „Nullen“ lautet:

Keinmal und nie wieder!

In anderen Worten, es ist das Streben nach Vollkommenheit und perfekter Vorbeugung (Prävention).

Der größte Teil dieses Kampfes in der AI widmet sich dem Dreck/den wiederkehrenden Verschmutzungen.
Das Motto lautet hier folgerichtig:

Null-Dreck!

Finde die Verursacher!

Es wäre nicht TPM, wenn wir mit dem Thema nicht noch gründlicher (d.h. ursächlich) umgingen.
Die wichtigste Charakteristik von TPM ist seine Gründlichkeit und zwar in jeder Hinsicht.

Um etwas ursächlich zu verändern – d.h. im Fall von wiederkehrender Verschmutzung/Dreck, diese/n ein für allemal eliminieren – muss man den „Verursachungsmechanismus“ verstehen.

So landen wir jetzt beim nächsten ganz wichtigen Begriff im TPM-Jargon, nämlich „Verursacher“.

Die Stufe 2 der AI heißt offiziell: „Verursacher und schwierige Zugänge beseitigen“.

(Wobei ich immer noch grübele, ob der Begriff „schwierige Zugänge“ gut gewählt ist. Vielleicht benenne ich diese Stufe künftig in „Verursacher und Unzugänglichkeiten beseitigen“ um.)

Das unterschiedliche Wesen verschiedener Verursacher

Solche Verursacher sind aber nicht alle gleicher Natur.

Wir müssen nicht nur zwischen Verursachern und „schwierigen Zugängen“ (also Unzugänglichkeiten) unterscheiden, sondern auch die unterschiedlichen Verursacher noch genauer aufdröseln.

Es gibt grundsätzlich 3 verschiedene Arten von wiederkehrender Verschmutzung (Dreck):

1. Verursacher ist verfahrensimmanent aber „isolierbar“ = geschlossenes System

z.B. Hydrauliköl in einem geschlossenen Hydrauliksystem.

Hier ist der Verursacher zwar verfahrensnotwendig aber glücklicherweise kapsel-/isolierbar.
Das Austreten des Verursachers geschieht nur, wenn eine Systemanomalie wie eine Leckage vorliegt.
Daher bezeichnet hier das Wort „Verursacher“ nicht das Medium (z.B. das Hydrauliköl), sondern die defekte Stelle des Systems.

Man könnte beispielsweise die defekte Dichtung als den „Verursacher“ bezeichnen.
Hier lässt sich der Verursacher perfekt und ursächlich eliminieren, indem wir das System wieder in den Soll-Zustand bringen. Wir sprechen dabei von einer sog. „Wiederherstellung“.

Löungsstrategie:
Eliminieren und neutralisieren des Verursachers (z.B. beseitigen einer Leckage)

2. Verursacher ist Teil des Verfahrens und nicht „isolierbar“ = offenes System

Z.B. Späne werden in einer zerspanenenden Fertigung immer anfallen, denn das sog. „Abspanen“ ist der Kern, der Witz des Verfahrens.
In diesem Fall ist eine ursächliche Eliminierung der Verschmutzung nicht möglich.

Deswegen betrachten wir nun in der AI den Dreck aus einem ganz anderen Blickwinkel, nämlich:
Wie muss ich den Dreck, z.B. meine Späne führen bzw. (ab)leiten, damit sie allesamt da landen, wo sie mich nicht mehr stören (z.B. im Späneförderer)?

Wesentlich an dieser Kategorie ist, dass wir es mit einem „offenen System“ zu tun haben.

Lösungsstrategie:
Einschränken und/oder einkapseln und abführen oder ableiten des Verursachers. So konzentriert man den Dreck (die wiederkehrende Verschmutzung) auf einen engen und unschädlichen Raum, an dem dieser Dreck keine Verluste mehr verursacht.

Meist gelingt es dann auch, den Dreck mit einfachen Mitteln in ein Entsorgungsgefäß zu leiten, sprich selbstreinigend machen. Wenn nicht verbleibt ein überschaubarer manueller Reinigungsaufwand. Je besser und weiter es gelingt den Verursacher zu kapseln, desto näher kommen wir dem Ideal, ein geschlossenes System und damit Lösungsstrategie 1, siehe oben.

3. Verursacher ist nicht verfahrensimmanent und nicht isolierbar

Da der Verursacher nicht zum Verfahren gehört, dürfte sich die Menge an Dreck (wiederkehrende Verschmutzung) durch den Verursacher in Grenzen halten.

Beispiel: Das regelmäßige Schmieren mit Fett über einen Schmiernippel durch eine Fettpresse. Der Mitarbeiter, der mit der Presse hantiert, putzt danach den Schmiernippel mit einem sauberen Lappen ab und verschließt ihn mit dem Käppchen. Ein weiteres Beispiel wäre z.B. Abrieb durch natürlichen Verschleiß, o.k. der ist sogar wiederkehrend aber die Menge bleibt gering. Auch hier gilt natürlich, die Verschmutzung ist möglichst auf einen engen Raum zu begrenzen, siehe Lösungsstrategie 2.

Lösungsstrategie:
Leicht und schnell zu reinigen

Wir sehen bzgl. der 3 obigen Lösungsstrategien gibt es ein Ranking, nämlich:
Lösungsstrategie 1 (perfekt) ist besser als 2 (fast perfekt) und die ist wiederum besser als 3 (akzeptabel).

Die AI-Stufe 2

Wenn es Ihnen gelingt, den Dreck von Orten, wo er nicht hingehört, fernzuhalten oder die Orte von Dreck einzuengen und gut zugänglich zu machen, dann wird die tägliche Reinigungszeit auf unter 3 Minuten fallen.

3-Minuten-Regel:
Ein Reinigungsaufwand von maximal 3 Minuten pro Tag, betrachten wir als „geringfügig“.
Wir sprechen ab dann von „Verursacher beseitigt“.

Hier nochmals die Zusammenfassung in einer Tabelle:

Reinigung

Dreck ist Materie am falschen Ort

Der Staub auf dem Gitter des Sicherheitszaunes, die Verschmutzung auf dem Dach der Maschineneinhausung sind im Normalfall daher auch kein „Dreck“. (Nach landläufiger Definition ist es natürlich Dreck aber sei es darum.)
Solch eine Verschmutzung ist zwar ärgerlich, aber sie verursacht keinerlei Verluste.
Es reicht, wenn wir diese bei Großputzaktionen beseitigen z.B. anläßlich eines wichtigen Kundenbesuchs. Moral und Kosmetik beiseite, wir wollen störungsfrei prodzieren!

Maschinen aufwandsfrei sauber halten

Wenn es nicht gelingt, die Anlagen aufwandsfrei sauber zu halten, ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein Manager aus Kostengründen anweist, die Reinigung zu unterlassen.

Halten Sie Ihre Anlagen mit geringstem Aufwand stets an den Anlagenknackpunkten, also da wo Dreck Verluste verursacht, sauber und alle sind glücklich. 

Illustrationen von Renate Milune 

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