@TPM

Mehrmaschinenbedienung oder Fischstäbchen?

Was es mit der Maschinenbedienung auf sich hat

Jeden Tag müssen wir an verschiedenen Sachen parallel arbeiten, damit wir unsere „To-dos“ erledigt bekommen. 
Deswegen spreche ich heute  über „MEHRMASCHINENBEDIENUNG“ – dem Pendant der Mehrprozessbeherrschung.
 
Neulich beim Abendessen habe ich meiner Frau erklärt, was „Mehrmaschinenbedienung“ ist und was es so spannend macht.
Meine Erzählung lautete in etwa so:

„… also während Maschine A umgerüstet, neu befüllt oder abgeräumt werden muss, soll Maschine B im Automatikmodus laufen, um dann, wenn Maschine B leergelaufen ist, selbst im Automatikmodus zu laufen … .“. Außerdem erklärte ich ihr wie wichtig es sei, aktiv mitdenkende Mitarbeiter zu haben. „Weißt Du, nur solche Mitarbeiter können dieses System am Laufen halten. Das ist ganz wichtig. Jemand, der nicht so gepolt ist, kann Mehrmaschinenbedienung auch für sich ausnutzen. D.h. die Maschinen gleichzeitig leerlaufen lassen, sodass er nachdem beide Maschinen betriebsbereit gemacht wurden, dadurch sogar eine Pause erhält.“
Langer Rede kurzer Sinn; ich wollte sagen:
„Ein Egoist, wird wohl kaum mehrmaschinenbedienungsfähig sein!“ und „Gute und stabile Prozesse und fähige, mitdenkende Mitarbeiter sind wichtig – gar der entscheidende Faktor dabei.“
 
Ich dachte, ich sei ja so überzeugend. 
War sie beeindruckt? Nicht ganz. 
Sie schaute mich schief an und verdrehte ihre Augen. Dann meinte sie, „Was glaubst Du eigentlich was ich gerade gemacht habe?“
 
Ihre Erzählung ging etwa so:

„Erst habe ich den Backofen vorgeheizt und einen Topf mit Wasser auf den Herd gestellt. Dann flitzte ich ins Bad und ließ die Waschmaschine laufen. Danach kam ich zurück in die Küche und habe aus dem Kühlschrank Gemüse und die sonstigen Zutaten herausgeholt, um das Gemüse zu putzen, schälen und zu schneiden. Da inzwischen das Wasser aufgekocht war, kippte ich die Nudeln ins kochende Wasser. Während die Nudeln vor sich hinkochten, bereitete ich Gemüse und Soße vor. Dann nahm ich die Auflaufform aus dem Schrank und schmierte sie mit Butter ein. Die Nudeln waren inzwischen soweit. Ich habe sie abgegossen und zusammen mit Gemüse und der Soße in die Auflaufform gefüllt. Natürlich habe ich für Dich am Ende die Extraportion Käse darauf nicht vergessen! Dann ab in den Backofen. Ich stellte den Timer auf dem iPad ein. Jetzt habe ich genug Zeit den Tisch zu decken und sogar eine Tasse Kaffee zu trinken. Oh ja, ich habe dabei auch noch die Katzen gefüttert. Als alles so weit war, kommt JEMAND und sagt mir: „Kann ich heute Fischstäbchen dazu haben?“ Sowas bringt mich auf die Palme. Weil diese Planänderung mein komplettes Timing, um das Essen pünktlich auf den Tisch zu bringen, total durcheinander gebracht hätte! Echt!“
 
Autsch!!! Sie hat den Finger in die richtige Wunde gelegt. 
Ich dachte ja nur, dass Fischstäbchen eine nette Ergänzung zum Abendessen wären…
Aber was sie sagte, gab mir zu denken.

Mehrmaschinenbedienung

Richtige Fragen stellen: Erster Schritt zur Lösung

Es ist wahr, dass Mehrmaschinenbedienung und Hausarbeit in ihrem Wesen viele Gemeinsamkeiten haben. Und beides klappt nur, wenn das Umfeld es zulässt. D.h. nur wenn die „Prozessstabilität“ hoch ist, ist Mehrmaschinenbedienung überhaupt möglich! Aber im Gegensatz zur Mehrprozessbeherrschung verlangt die Mehrmaschinenbedienung paralleles Arbeiten – also Multitasking. Und Multitasking funktioniert nur stabil, wenn wir wiederkehrende Szenarien haben! D.h. in einem täglich neu erfundenen Produktionsplan ist Mehrmaschinenbedienung nur sehr bedingt möglich und das Risiko, mit der Produktion in Rückstand zu geraten, steigt beachtlich.
Oder umgekehrt: Nivellieren und Glätten (Heijunka) sind eigentlich eine Voraussetzung zur Mehrmaschinenbedienung.

Der größte Unsicherheitsfaktor ist neben der Prozessstabilität das Management – vor allem ein Management, das die eigenen Prozesse kaum kennt. Auch wenn es dabei meistens so tut, als verstünde es sie. In diesem Fall war ich, auch wenn ich mich nicht als Chef oder Management verstehe, der „Störenfried“.

Wenn Mitarbeiter zu „selbständig“ denken, damit es ihrer Meinung nach umso „besser“ läuft, wird es auch wieder gefährlich.
Es ist z.B. ein häufiger Fehler den Mitarbeitern den Auftragsmix innerhalb eines langen Zeitfensters frei zu überlassen. Nach dem Motto: „Such Dir die Aufträge zusammen mit denen Du Mehrmaschinenbedienung hinkriegst!“ Dadurch explodieren förmlich die Durchlaufzeiten und Umlaufbestände.
Natürlich benötigt man positiv mitdenkende Mitarbeiter. Die bekommst Du durch ein positives Umfeld und Begeisterung.

Wirklich entscheidend sind die aktiv mitdenkenden und handelnden Manager.
Denn die kennen die Arbeitsplätze vor Ort (das Gemba) aus dem Effeff.

Hast Du auch bei Dir Probleme mit der Ausbringung an den Maschinen/Anlagen?
Irgendwie schon, oder? Und sicher fragst Du Dich jetzt: „Was soll ich dann machen?“

Um die richtigen Antworten zu finden, musst Du Dir die Lage genau anschauen. Darum frage ich Dich zurück:

  • Hast Du weniger Ausbringung als die Maschinen-/Anlagen-Kapazität verspricht?
  • Machen Deine Mitarbeiter Fehlbedienungen, die (oft) in Störungen oder Ausschuss enden?
  • Wie oft änderst Du den Produktionsplan innerhalb eines Tages/Woche/Monats?
  • Wie reagieren die Mitarbeiter darauf?
  • Gibt es Kurzzeitstörungen? Werden sie gezählt?
  • Wie lange sind die Rüstzeiten bzw. wie groß sind Deine Lose (Reichweite)?
  • usw.

Schau genau hin, und zwar nicht nur auf dem Papier oder im System, sondern vor Ort. Das bringt aufschlussreiche Erkenntnisse! 
Wenn Du die Probleme richtig siehst, hast Du schon halb gewonnen.
Es muss nicht von Anfang an die perfekte Lösung geben, um diese Probleme gleich loszuwerden. Aber das ganze Vorgehen (Problem identifizieren, Lösungsansatz denken, usw.) bringt Dir unersetzliche Erfahrungen, und es bringt Dich immer ein Stück näher zum „idealen Prozess“.

  • Hat er angefangen selbst das Programm anzupassen?
  • Hat er einen anderen Auftrag vorgezogen oder sich den Wunsch-Auftrag herausgepickt?
  • Musste der Instandhalter kommen?
  • Hat der Mitarbeiter den Logistiker angerufen, um die Teile/das Material zu bekommen?
  • usw.

Diese Beobachtungen bringen Dich weiter, um die Antworten auf die Frage: „Was soll ich denn machen?“ zu finden.

Man kann sehr viele Vorteile aus Mehrmaschinenbedienung ziehen, wenn man es richtig macht.

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2 Comments

  • Reply Thomas Juli 20, 2017 at 5:52 am

    Ein interessantes Fazit wäre doch, mehr Mitarbeiterinnen zur Mehrmaschinenbedienung heranzuziehen. Geschult von der Abendessenzubereitung für ihre Männer werden sie aktiver mitdenken.
    Und: Wirklich entscheidend sind die aktiv mitdenkenden und handelnden Managerinnen;-), da diese genügend Zeit haben, weil siesich inzwischen die Hausarbeit mit ihren Männern teilen.

    • Reply Wolfram August 17, 2017 at 4:20 am

      Lieber Thomas,

      meine große Hoffnung ist, dass die Katzen endlich bei der Mehrmaschinenbedienung aushelfen. (FYI: schließlich haben wir drei!)
      Sollen die sich doch ihr Futter verdienen!

      Aus dem Nähkästchen fernöstlicher Weisheiten: Wer endgültig überfordert ist, ruft sogar nach einer helfenden Katzenpfote. 🙂

      Viele Grüße sendet Dir

      Wolfram

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